Die Spielemesse besuchen

In Essen findet jedes Jahr die weltweit größte Publikumsmesse für Brettspiele namens “SPIEL” statt, zu der an vier Tagen insgesamt 230.000 Besucherinnen und Besucher erwartet werden. Es gibt acht große Messehallen, in denen rund 1.900 neue Gesellschaftsspiele ausgestellt werden, die man an hunderten Tischen direkt vor Ort ausprobieren kann.

Die Hölle für all jene, die ganz plötzlich in den nächsten 3,5 Jahre keinen freien Abend mehr in ihrem Kalender finden können, wenn das Wort “Spieleabend” fällt; der Himmel für all diejenigen, die der dunklen Jahreszeit freudig entgegen fiebern und bei der Arbeit heimlich die neuesten Rezensionen bei BoardGameGeek lesen.

Gemeinsam mit meinen Brettspielbegleitern Lukas und Matthias stürze ich mich ins Abenteuer und irre zunächst reizüberflutet mit offenem Mund durch die heiligen Hallen. Schnell geben wir die Idee auf, hier einen Überblick gewinnen zu wollen und beschließen stattdessen, uns auf das nächstbeste Spielerlebnis einzulassen, das sich uns bietet.

Wir landen schließlich an einem freien Tisch, an dem man das noch nicht veröffentlichte Spiel “War of the Ring. The Cardgame” testen kann. Da die Veranstalter vermeiden möchten, dass sich Menschen stundenlang genervt in Spielanleitungen einlesen müssen, gibt es an jedem Stand Erklär-Personal, das geschult darin ist, die Regeln in simplen Sätzen zu vermitteln. So jemand hätte den ein oder anderen Familien-Spieleabend retten können.

Unser Spieleerklärer beginnt mit seiner Einführung. Immer zwei Personen spielen zusammen und sind entweder die Guten oder die Bösen aus Herr der Ringe. Matthias hat das schwere Los getroffen, mich als Partnerin zu erwischen.

Ich halte mich ja im allgemeinen für nicht dumm, doch im Brettspielbereich werden mir schmerzhaft Grenzen aufgezeigt. “Es handelt sich um kein besonders komplexes Spiel,” sagt unser Anleiter und Matthias und Lukas haben bereits ihre Strategie, wie sie den Pfad und die Schlachtfelder und etliche Siegpunkte gewinnen werden.

Schließlich bin ich an der Reihe und soll eine Karte ausspielen. Es fühlt sich an, wie damals in der Schule, wenn man nicht zugehört hat und aus heiterem Himmel drangenommen wurde. Ich versuche Zeit zu gewinnen, simuliere intensives Nachdenken und frage dann nach fünf Minuten “... und WAS ist Trumpf?!”, um meine absolute Ahnungslosigkeit zumindest geschickt zu ironisieren. (Wer diese Anspielung nicht versteht, bitte Loriots Skatrunde anschauen). 

Aber so schwer kann es ja nicht sein. Ich wähle einfach IRGENDEINE Karte, lege sie vor mir ab und blicke triumphierend in die Runde. “Das ist ein Item. Ohne Elf kann das nicht gelegt werden”, sagt der Anleiter und mein Bruder kichert bereits.

Aha okay, Elf also. Ich wähle Legolas, doch noch während ich ihn auf dem Tisch platzieren will, schüttelt der Anleiter mitleidig den Kopf. Legolas hat leider nicht die richtige Pfadstufe und darf erst ab Level 5 gespielt werden, das war mir entgangen.

Wenn ich es mir recht überlege, passt ein Herr der Ringe-Spiel vielleicht gar nicht so sehr zu meinem Interessenbereich. Ich überzeuge meine Mitstreiter und wir ziehen weiter. 

Wir testen noch diverse Gesellschaftsspiele, die mir deutlich besser gefallen als das Herr der Ringe Kartenspiel und die ich sogar ansatzweise verstehe. Beim Cyberpunk-Stand lerne ich dann, dass Spiele noch mehr können, als bloß unterhalten. Es sind potenziell vielversprechende Geldanlagen!

Wie? Was? Mit Spielen reich werden?! Das gefällt mir. Nur eine Ausgabe pro Person darf man von der noch nicht veröffentlichten Cyberpunk Card Game Booster Box erstehen und mit ähnlichem Wissensstand wie bei meinem ersten Aktienkauf, bezahle ich 180 Euro für ein Spiel, das mich null interessiert und das ich niemals auspacken werde.

Jetzt heißt es taktieren. Wenn ich es sofort weiterverkaufe, bringt es mir ca. 70 Euro ein. Das älteste handgezeichnete Monopoly-Spiel von 1933 wurde jedoch 77 Jahre später für 147.000 Dollar versteigert… 

Fazit: Die SPIEL hat mir einen hervorragenden Tag beschert, meine Spiele-Lust wiederbelebt und wird mir möglicherweise als Spätfolge meine Rente aufbessern.

DO:

  • Altersvorsorge aufbauen mit ungeöffneten Brettspielen

DON’T

  • mir das Herr der Ringe Kartenspiel zum Geburtstag schenken
Information icon

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.