Bis zur Endhaltestelle und zurück
Seit Ende April bereichern Mikro-Abenteuer meinen Alltag. Manchmal überrede ich jemanden dazu, mich zu begleiten. Wieso nicht aber eine Gruppenaktivität daraus machen? Vielleicht sogar Mikro-Abenteuer-Events deutschlandweit?? Mein Unternehmerinnengehirn muss immer gleich übertreiben. Ein erster kleiner Versuch empfiehlt sich und so lade ich im Newsletter zum ersten gemeinsamen Frankfurt Event ein. Der Tag rückt näher und ich bin ein bisschen nervös, ob überhaupt irgendjemand erscheinen wird.
Doch tatsächlich! Fünf abenteuerlustige Mitstreiterinnen und Mitstreiter tauchen an einem sonnigen Samstagnachmittag auf. Andere machen lästigen Hausputz oder stehen in einer langen Supermarktschlange, wir brechen auf ins Ungewisse. Nach kurzer Beratung entscheiden wir uns für den Plan, mit einem beliebigen Bus zur Endhaltestelle zu fahren, um dann von dort ohne Hilfe des Handys zum Ursprungsort zurückzufinden. Die erste Herausforderung: Wo fährt hier überhaupt ein Bus?
Während wir auf der Suche nach einer Haltestelle durch Bornheim irren, verhindere ich zu seichte Unterhaltungen, indem alle vorbereitete Fragezettelchen ziehen müssen. Möglich, dass meine Beschäftigung mit Teambuilding-Methoden ein wenig durchschlägt… Wir diskutieren unsere letzten Fehlkäufe, wann wir das letzte Mal etwas zum ersten Mal gemacht haben und welches Kleidungsstück wir wären. Mein Nachbar Michael, der sich sicher ist, er wäre ein Skianorak, entdeckt die Buslinie 32 und so steht fest, unser Ausflug führt uns zum Westbahnhof.
Für mich als Hygiene-Fanatikerin ist die Busfahrt bereits mikrobakterienabenteuerlich, weil ich Wege finden muss, möglichst nichts anzufassen und trotzdem nicht umzufallen. Meine Mitabenteurer bemerken diese besondere Challenge gar nicht, sie sind zu sehr damit beschäftigt, Fragen wie “Nenne 3 Dinge, die du gut kannst” (ja, ich bin Teach First Alumna…) zu diskutieren.
Wir erreichen den Westbahnhof und gleich schon wird es aufregend. Beim Westbahnhof-Kiosk gehen wir shoppen. Mit dem richtigen Midlife Happiness-Mindset wählt Sébastien mutig eine türkische Limo, die sich als grauenvolle flüssige Gummibärchenlösung herausstellt. Felix, der Risikobereiteste von uns, probiert einen “Ropop”, laut Packung eine “Dip and lick”-Süßigkeit. Er erhält einen blauen Lutscher, den er in koksähnliches Pulver tunken soll. Geschmacklich enttäuschend, aber möglicherweise Business-Opportunity am Frankfurter Hauptbahnhof.
Nun gilt es, zurück zum Merianplatz zu finden. Für manche von uns ist Bockenheim ein weitgehend unbekanntes Pflaster, für andere bekanntes Gelände. Wir brechen auf Richtung Leipziger Straße, für mehr Abenteuerlichkeit wählen wir jedoch lieber kleinere Nebenstraßen. Johannes kauft bei einem weiteren Kiosk eine süße Tüte und lässt den Verkäufer weitgehend über den Inhalt entscheiden. Mikro-Adrenalin-Kick beim Griff in besagte Tüte: Erwische ich etwa schreckliche Lakritz? Das Glück ist mir hold, mit saurer Schnur und Zuckerschock geht es weiter Richtung Grüneburgpark.
Wir wechseln unsere Gesprächspartnerinnen und -partner durch und passieren eine fast geleerte Vodkaflasche am Straßenrand. 200ml sind noch in etwa enthalten. Ich biete 10 € für die Person, die es austrinkt. So abenteuerlich ist dann aber doch leider niemand von uns, auch wenn Felix betont, dass bazillenmäßig ja eigentlich kein Grund zur Sorge bestünde.
Schon 15 Minuten ohne Kiosk-Pause, zum Glück entdecken wir das Park-Café im Grüneburgpark. Ein wunderbarer Ort, der sehr zu empfehlen ist. Eis hatten wir noch nicht, daher wird es höchste Zeit. Mein laktoseintoleranter Nachbar überlegt kurz, ob Milcheis abenteuerlich sein könnte, entscheidet sich dann aber für ein Capri.
Nach längerem Marsch durch das Nordend gelangen wir drei Stunden nach Start unseres Abenteuers tatsächlich wieder zum Merianplatz, ohne unsere Handys als Orientierungshilfe verwendet zu haben. Mission accomplished!
Abenteurerin Jördis – wenn sie denn ein Kleidungsstück wäre, wäre sie ein Sommerkleid – sagt zu meiner Freude, dass sie wieder mitmachen würde und überlegt bereits, welche Personen für das nächste Midlife Happiness Event motiviert werden könnten. So ein Engagement lobe ich mir und suche daher direkt einen Termin für das nächste Gruppenabenteuer! Zusammen ist doch schöner als ganz allein.
DO:
- beim nächsten Mikro-Abenteuer-Event mitmachen
DON’T:
- türkische Limo in grüner Dose
