Furzen in der Sauna

Wellnesstempel sind Oasen der Harmonie. Beste Freundinnen plaudern im Whirlpool, Pärchen blicken sich verliebt in die Augen und halten Händchen im Ruheraum und in den Saunen herrscht die Atmosphäre unendlicher Entspannung.

Auch auf mich wirkt sich das Setting durchaus wohltuend aus. Vorerst. Doch nach etwa drei Stunden Aromasauna, Fußbad und Ruheliege bekomme ich ungemein große Lust, diesen paradiesischen Frieden ein bisschen zu stören. Zu viel Harmonie wird langweilig, eine Irritation muss her.

Wie würde wohl ein unangenehmer Furz im Reich der guten Düfte aufgenommen werden? Diese Forschungsfrage erscheint mir gut geeignet für mein spontanes Wellness-Mikro-Abenteuer, das mich nun jenseits meiner Komfortzone führen wird.

Obwohl ich generell die Damensauna bevorzuge, wähle ich für mein Experiment die gemischte Sauna. Leserinnen, die beide Varianten kennen, wissen natürlich sofort, warum. Während Frauen sich ausschließlich auf Atmen und Liegen konzentrieren, müssen Männer in Saunen den Grad ihrer Entspannung oft durch diverse Laute kundtun. Erleichtertes Stöhnen, Ächzen bei der Einnahme des Platzes auf den oberen Rängen und gerne auch das schmatzende Geräusch, das entsteht, wenn sie sich wohlig auf ihre schweißigen Arme und Brusthaare patschen.

Ich hoffe auf die üblichen unappetitlichen Männergeräusche, die dafür sorgen, dass mein geplanter Furz mir nicht so ohne Weiteres zugeordnet werden kann, und betrete die Sauna. Mein Blutdruck steigt, was sowohl an der Hitze als auch an meiner Aufregung liegt.

Mit Unschuldsmiene sitze ich in der mittleren Reihe und überlege, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Da ich Hitze nicht besonders gut vertrage, sollte es möglichst bald sein. Ausgerechnet jetzt muss ich natürlich absolut gar nicht. Hätte ich doch mal die Baked Beans beim Hotelfrühstück gewählt. 

Während ich sonst oft könnte, aber nicht darf, warte ich hier zunächst vergeblich auf Luft, die hinaus will. Wo sind die Gase, wenn man sie mal braucht?!

Doch endlich, es tut sich was. Ein winziger, beinahe tonloser Mini-Pups entfleucht und irritiert absolut niemanden, weil wie erwartet entspannende Männer grunzen und das Holz knackt. Der starke Zirbelkiefergeruch sorgt dafür, dass keine Geruchsstörung wahrzunehmen ist. DAHER finden also ständig Aufgüsse statt! 

Während ich noch darüber nachdenke, ob das nun schon als Experiment zählt oder ein zweiter Versuch gewagt werden sollte, macht sich mein Kreislauf bemerkbar. Ich muss die Höllenhitze verlassen und mich kalt abduschen.

Im Ruheraum findet nun eine Klangschalenmeditation statt. Nach all der Aufregung genau das Richtige. Etwa 30 Menschen in Bademänteln legen sich auf wabernde Wasserbetten und die Session beginnt. Nach ca. 7 Minuten entspannt sich ein Teilnehmer mehr als erwünscht und beginnt laut zu schnarchen. Ich fühle nichts als blanke Aggression, will aufstehen und den Typen von seinem Wasserbett schubsen. Doch die Klangschalen dauern an und ich muss noch etwa 20 Minuten wütend vor mich hin meditieren.

ENDLICH endet die “Meditation” und pünktlich mit dem Schlussgong wacht der Schnarcher auf. Bevor ich den Raum verlasse, tausche ich noch wissende, genervte Blicke mit anderen Mitleidenden.

Merke: Wer Wellnessharmonie stören will, sollte auf hemmungsloses Schnarchen statt auf harmlose Baby-Pupse setzen! Das nächste Mikro-Abenteuer ist also gesetzt.

DO:

  • die Damensauna wählen

DON’T

  • mit mir in die Sauna gehen
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