Pokémon Go spielen

Am 1. April 2014 hatte Google einen besonderen Aprilscherz parat. Nutzerinnen und Nutzer wurden dazu aufgerufen, weltweit kleine virtuelle Pokémon-Monster auf der Google Maps Karte zu fangen. Was als punktueller kleiner Spaß gedacht war, kam überraschend gut an und so dachte sich die damals noch kleine Google-Tochterfirma Niantic Labs, dass man so ein Augmented-Reality-Spiel wohl auch größer aufziehen könnte…

Aus dem Aprilscherz wurde Pokémon Go, ein Smartphone-Spiel, das bei seiner Erscheinung im Juli 2016 für einen globalen Hype sorgte. Vielleicht erinnert ihr euch an Scharen umherziehender Jugendlicher, die auf ihr Handy starrend in der Landschaft standen und Dinge zu sehen schienen, die anderen verborgen blieben.

Damals hatte ich keinerlei Sinn für Spiele solcher Art und wenn meine Freundin Karo sich über Glumanda oder Sleima am Wegesrand freute, musste ich meine Augenbraue verächtlich hochziehen. Wie kann man nur so kindisch sein!

Heute mit 41 Jahren hat wieder kindisch zu sein eine ganz andere Qualität. Nicht umsonst gibt es diverse Seminare, die einzig darauf ausgerichtet sind, das verloren geglaubte innere Kind wiederzuentdecken. Unternehmerische Visionen soll man mit Lego bauen und während der WM kaufen sich Erwachsene heimlich Panini Sammelkarten-Hefte.

Da mir mein Mikro-Abenteuer-Projekt ja bekanntlich auch dazu dient, verpasste Trends nachzuholen, steht Pokémon Go spielen schon seit vielen Wochen auf meiner Liste. 10 Jahre zu spät lade ich mir nun die App und lege los.

Für alle, die keine Vorstellung von diesem Spiel haben: Man spaziert durch die reale Welt, verfolgt dabei auf dem Handy eine virtuelle Karte und spürt kleine Pokémon-Monster auf dem Weg auf, die man mit Bällen bewerfen muss, um sie zu fangen. Sobald die Balljagd beginnt, schaltet sich die Handykamera ein und man sieht virtuelle, zappelnde Pokémons in der echten Umgebung auf dem Handybildschirm. Das ist wesentlich unterhaltsamer als ich Banausin angenommen hatte.

Leider sind 10 Jahre nach dem großen Hype nicht mehr ganz so viele Pokémon-Jägerinnen unterwegs. Karo, wo bist du?? So muss ich nun also alleine losziehen und meine Mitmenschen irritieren. 

Ich bleibe abrupt stehen, schreie wild wischend eine Straßenlaterne an und renne mit meinem Handy in der Hand eilig zu einer mit Hundepipi markierten Hausecke, um dort ein für andere nicht sichtbares Ei einzusammeln.

Da ich davon überzeugt bin, dass gemeinsame Mikro-Abenteuer die sonst üblichen Kaffee-Verabredungen unvergesslicher machen, schlage ich meiner Freundin Anke vor, doch in mein Pokémon Game mit einzusteigen. 

Anders als erwartet, fördert die gemeinsame Pokémon-Jagd in Frankfurt Bornheim unseren Austausch über relevante Dinge des Lebens kein bisschen. Wir berichten uns zwar enthusiastisch, wenn wieder irgendein Monster neben uns auf dem Bürgersteig aufgetaucht ist, doch eine zusammenhängende Konversation ist nicht möglich. Jede von uns jagt in ihrer eigenen Welt, lacht gelegentlich hysterisch auf und stößt andere Fußgänger rücksichtslos zur Seite, wenn ihr Laufweg beim Ballwurf auf ein Froxy oder Flamiau stört.

Immerhin retten wir uns immer mal vor dem Tode und verhindern gegenseitig unkontrollierte Sprünge auf die Straße. Autos sind nur störende Nebensächlichkeiten, wenn man kurz davor ist, einen wichtigen Poké Stop zu erreichen. 

Als wir vor einer Haustüre in der Ringelstraße eine sogenannte Pokémon-Arena erreichen, in der man wohl kämpfen kann, kapieren wir beide nicht, wie das funktioniert. Für heute reicht’s. Das Pokémon Go Erlebnis ist vorerst beendet. Anders als bei meinem Minecraft-Versuch, wird diese Anwendung aber nicht so schnell wieder gelöscht werden.. Pikachu, zieh dich warm an!

DO:

  • antizyklisch Trends verfolgen

DON’T:   

  • jubelnd auf die Straße rennen, um ein seltenes Pokémon zu fangen und dabei von einem Bus platt gefahren werden
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