Primal Movement Training ausprobieren
Es gibt einen neuen Trend, der bislang an mir vorbeigegangen ist. Primal Movement Training ist ein ganzheitliches Training ohne zusätzliche Geräte, das an tierischen Bewegungsmustern orientiert ist. Es zielt darauf ab, Kraft, Mobilität und Koordination spielerisch zu verbessern und den Bewegungsapparat durch alltagsnahe, ursprüngliche Bewegungsmuster gesund zu halten. Hä?! Bitte was?! Ich muss es ausprobieren und buche an meinem letzten Tag in Lissabon einen Morgenkurs in einem neuen Primal Moves Studio.
Pünktlich um 9 Uhr bin ich vor Ort und treffe auf eine kleine Trainingsgruppe, die mich sehr nett begrüßt und sich offensichtlich freut, eine neue Interessierte dabei zu haben. Wir sind 6 Personen unterschiedlichen Alters. 90% sind sehr durchtrainiert und sehen so aus, wie ich mir Mitglieder einer professionellen Dance Company vorstelle. Die restlichen 10% bin ich.
Das Training beginnt und nach kleineren Einstiegsübungen starten wir mit den tierähnlichen Bewegungsabläufen. Ich bin froh, dass dazu passende Geräusche offenbar nicht vorgesehen sind. Der Trainer macht einen Bewegungsablauf vor, den wir dann von einem Ende des Raumes zum anderen nachahmen. Krabbeln, Hocken, Springen, auf allen Vieren vorwärts und rückwärts laufen.. Es handelt sich um eine Kombination aus Mobility, Core und Functional Training, falls das hier jemand etwas sagt und es ist wahnsinnig anstrengend. Ich bin beeindruckt, wie wahnsinnig geschmeidig diese Bewegungsabläufe bei meinen Mittrainierenden aussehen. Die seitliche Katze erinnert bei mir eher an ein stolperndes Kamel und wer glaubt, kleinere Froschhüpfer können so schwer ja nicht sein, begibt sich bitte direkt auf den Boden und versucht, damit eine Strecke von fünf Metern zurückzulegen.
Zwischen den Bewegungsabläufen gibt es kleine Übungen an der Klimmzugstange, bei denen die anderen ihre Beine bis zum Kopf hochschwingen, während ich schon stolz bin, meine Knie anwinkeln zu können. Wettbewerb und Sich Vergleichen ist allerdings nicht Sinn des Ganzen und wird auch an einigen Stellen betont. Stattdessen geht es darum, in den eigenen Körper hineinzufühlen und nur das zu tun, was heute möglich ist und gut tut. Der Trainer ist kompetent und korrigiert die Körperhaltung, wenn nötig.
Im letzten Teil des Trainings befinden wir uns auf Yoga-Matten und es mischen sich Yoga- und Kräftigungsübungen. Herabschauende Hunde kenne ich besser als den Bärengang und freue mich insbesondere über die geliebte Position des Kindes am Ende des Trainings (alle Yogis unter euch wissen, wovon ich spreche…). Bei besagter kurzer Schlussentspannung spielt der Trainer einen Track von den Grandbrothers. Wer etwas mit Martin Kohlstedt anfangen konnte, sollte auch hier reinhören. Klavier und Elektronik, ich liebe es.
Mein Fazit: Diesem neuen Bewegungstrend kann ich definitiv etwas abgewinnen und habe die Absicht, nach Kursen in Frankfurt Ausschau zu halten. Es scheint mir eine tolle Ergänzung zum Boxtraining zu sein, weil hier statt kraftvollen Schlägen weiche Mobilität im Vordergrund steht. Sollte ich euch demnächst auf allen Vieren entgegenhopsen: Ihr wisst warum.
Wer in Lissabon vorbeikommt und nach 23 Pastel de Nata ein wenig Bewegung gebrauchen kann, sollte unbedingt bei dieser sehr sympathischen Trainingsgruppe vorbeischauen.
DO:
- im Primatengang zum Büro spazieren
DON’T:
- im ersten Training fortgeschrittene Primal Movers nachahmen, die aus dem Krabbengang in den Handstand übergehen
