11. Mai 2026

Schere, Stein, Papier-Irrfahrt

Die ausgedachte Methode des Schere-Stein-Papier-Spaziergangs ist ein beliebter Programmpunkt meiner Neffen-Nachmittage. Anders als stinklangweilige gewöhnliche Spaziergänge besteht die bahnbrechende Erfindung darin, an jeder Abzweigung Schere-Stein-Papier zu spielen und den Sieger dann entscheiden zu lassen, in welche Richtung es weitergeht. So gelangt man auch in Wohngebieten, die man in und auswendig kennt, noch in die ein oder andere unbekannte Seitengasse. Ein sehr aufregender Prozess!

Da Neffe 2 aktuell an Krücken laufen muss, kam mir eine Mikro-Abenteuer-Idee: Wir adaptieren das erfolgreiche Spaziergangs-Konzept und machen eine Spritztour mit meinem Cabrio. Neffe 1 und Neffe 2 waren sofort davon angetan. Dach ab, laute Musik an und schon brausen wir los ins Unbekannte! Vor jeder Kreuzung ein schnelles Schere-Stein-Papier und der gewinnende Neffe bestimmt die nächste Abbiegung. Wenig überraschend erweitert diese motorisierte Form des Spiels den Radius erheblich. In relativ kurzer Zeit befinden wir uns daher im Mainzer Umland und bestaunen langweilige Dörfer. Die eher unspektakulären Reihenhaussiedlungen, Industriegebiete und Ackerflächen können uns anfangs noch begeistern, immerhin besteht ja die Chance, dass um die nächste Ecke etwas AUFREGENDES auf uns wartet. In Mombach und Budenheim ist dies nicht der Fall, aber wir bleiben zuversichtlich.

Leider beginnt es in Strömen zu regnen. Dach zu, Scheibenwischer an. Aussteigen an potentiell interessanten Orten ist keine Option mehr. Die Schere-Stein-Papier-Lust lässt langsam nach, Neffe 1 und Neffe 2 erlauben der Fahrerin nun großzügig selbst zu entscheiden, in welche Richtung abgebogen werden soll. Neffe 1 fragt, ob es okay sei, die Augen zu schließen und zu schlafen. Neffe 2 stellt nüchtern fest, das sei hier nun wirklich eher ein Mikro-Mikro-Abenteuer. Um die Abenteuer-Lust erneut zu entfachen, biege ich ein auf den Parkplatz von Schloss Waldthausen. Vielleicht lassen sich dort alte Gemäuer erkunden?

Da es noch immer schüttet, niemand eine Jacke oder einen Regenschirm zur Mikro-Abenteuer-Tour eingepackt hat, weigern sich Neffe 1 und 2 das Auto zu verlassen. Ich sage halbherzig Tantensätze wie “aber wir sind doch nicht aus Zucker”, gebe aber schnell auf und fahre weiter. Mein GPS streikt, sodass ich keinen Routenplan für die Rückfahrt starten kann. Jetzt beginnt das wahre Abenteuer! Wir müssen wie damals im Mittelalter nur auf Basis von Straßenschildern nach Hause finden!

Neffe 1 behauptet zu wissen, wo wir entlang fahren müssen. Er gibt strenge Anweisungen von der Rückbank und beschwert sich gelegentlich über die langsame Reaktionsfähigkeit der Fahrerin, die nicht rechtzeitig Spuren wechselt und ständig falsch abbiegt. Nach nur 2 Stunden kommen wir mit einem leeren Tank zu Hause an, Neffe 1 und 2 verlangen den Besuch der Döner-Bude als verdiente Belohnung für diese Irrfahrt im Regen. Sie können das nächste Mikro-Abenteuer mit ihrer Tante kaum erwarten!

DO:

  • Proviant und Regenschirm einpacken
  • auch unattraktiven Dörfern eine Chance geben
  • den Tankrabatt voll ausnutzen

DON’T:   

  • die Dauer des Rückwegs unterschätzen
  • auf Abenteuer in Mainz Gonsenheim hoffen

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