18. Mai 2026
Verkehrte Nacht
Die Bezeichnung Mikro-Abenteuer kann unterschiedliche Assoziationen hervorrufen. Um meine Liste potenzieller Experimente zu erweitern, frage ich Personen in meinem Freundeskreis gerne nach Ideen. Der Abenteuergrad der Vorschläge fällt divers aus.
So riet mir mein Freund Alex beispielsweise, ich könnte doch eine Nacht verkehrt herum in meinem Bett verbringen und dabei möglicherweise eine ganz neue Perspektive auf Bett und Leben erhalten. Dem wollte ich nachgehen.
Positiv fiel bereits zum Start auf, dass dieses Mikro-Abenteuer keinerlei Vorbereitung bedarf. Die Integrierbarkeit in den Alltag ist kaum zu übertreffen. Nach schnellem Kissen-Bettdecke-Tausch kann es bereits losgehen. Erster Eindruck: Das für die Füße vorgesehene Ende der Matratze ist deutlich weniger durchgelegen als der obere Teil! Könnte dieses Mikro-Abenteuer gar zu einer ganz neuen Routine werden und die Kopf-an-Kopfteil-Position ablösen? Ich denke nicht. Denn leider zeigen sich schnell erste Komfortverluste. Das Licht der sowieso schon eher schummrigen Nachttischlampe kann die Entfernung meiner Körperlänge schlecht überbrücken, sodass Lesen zu einem mühsamen Wörter erahnen verkommt. Auch die mir nun gegenüberliegende Wand gefällt mir weniger als ich dachte. Der dort installierte nie angeschaltete Lichterkettenkranz entfaltet nicht den Charme, den ich mir einst erhofft hatte.
Nun aber zum eigentlichen Abenteuer, der Nacht. Man mag es bereits erahnen: ein Abgrund hinter dem Kopf sorgt für Unbehagen und häufigem Kissenverlust. Die ständige Gefahr, mit dem Kopf ins Nichts zu hängen, bringt durchaus eine gewisse Abenteuerlichkeit mit sich. Meistens ist es jedoch eher ein Bangen verglichen zu positiven Erwartung des Grauens in einer Achterbahn. Nach einer Nacht mit einigen Kissen-Rückhol-Unterbrechungen erwache ich ein wenig gerädert, aber doch auch glücklich. Mein Freund Alex hatte nämlich Recht. So ein gewagtes nächtliches Mikro-Abenteuer erlaubt eine ganz neue Perspektive auf Bett und Leben. Nie habe ich bislang mein Kopfteil angemessen wertgeschätzt, nie Dankbarkeit für kissen-konstante Nächte empfunden! Voller Vorfreude auf eine Nacht in normaler Liegeposition starte ich in meinen Tag.
DO:
- Matratze einfach mal umdrehen
DON’T:
- Kopf am Abgrund
