Dinge an Orten hinterlassen

Seit dem Start meiner Mikro-Abenteuer-Challenge im April erhalte ich etliche gute Anregungen und meine Liste vielversprechender Aktionen wächst und wächst. Meine Freundin Maria hat mich beispielsweise auf die Idee des “Reverse stealing” gebracht. Statt Dinge kriminell zu entwenden, geht es hier darum, Dinge unbemerkt zu hinterlassen.

So bin ich diese Woche also stets ausgerüstet, wenn ich meine Wohnung verlasse und allzeit bereit, einen unerwarteten Gruß zu platzieren. Nicht jede dazu geäußerte Idee von außen greife ich dabei auf. Verdorbene Milch im REWE zu deponieren würde zwar potentiell für ein großes Hallo sorgen, doch bin ich nicht sicher, wie gut die Filialleitung mit lustigen Streichen dieser Art umgehen kann. Statt Durchfall und Erbrechen entscheide ich mich dafür, mit diesem Mikro-Abenteuer im besten Fall eher amüsierte Irritation herbeizuführen.

Für meine erste Hinterlassenschaft wähle ich das Klo meines Lieblingscafés. Zwei kleine Sumoringer aus Plastik schmücken dort nun das Abwasserrohr. Das war einfach und auch ein wenig unspektakulär, denn an stillen Örtchen etwas zurückzulassen ist nun nicht besonders abenteuerlich.

Passenderweise habe ich einen Termin in einem Hessischen Ministerium, in dessen schmucklosen Fluren man ja bekanntlich relativ leicht irritieren kann. Ich stelle eine (noch haltbare) Dose Mais auf ein Fensterbrett und spüre Adrenalin in mir hochsteigen, als sich Landesbeamte von hinten nähern. Um den verdächtigen Fensterbrettaufenthalt zu kaschieren, simuliere ich emsiges Wühlen in meiner Tasche. Das Täuschungsmanöver gelingt.

Ich frage mich noch kurz, ob es hier eigentlich Kameras gibt und mit Polizeibesuch zu Hause zu rechnen ist, weil die Konserve als potentielle Bedrohung eingestuft und aufwendig entschärft werden muss, doch es ist bereits zu spät, die Ministeriumstür fällt hinter mir ins Schloss. Hoffen wir, dass das unerwartete Präsent einer gestressten Sachbearbeiterin bei der Zubereitung ihres mitgebrachten Tuppersalates den Tag versüßt.

Nach dieser großen Aufregung muss ich erneut Ausruhen im Café. Für das nächste unerwünschte Geschenk streune ich auffällig lange durch den Flur und suche den optimalen Platz. Letzten Endes entscheide ich mich dann aber doch für eine sehr zentrale Position auf der Klobrille. Wo sonst macht sich ein Fuß aus Plastik so gut?

Am nächsten Tag arbeite ich im CoWorking. Es ist ein Ort voller junger, ambitionierter Start Up Gründer, die stets busy mit agilem Mindset ihre Family Team Culture für alle hörbar ausleben und an der Kaffeemaschine gerne thrilled ihren Elevator pitch vortragen, um Leads zu generieren.

Um diesem sterilen Ort eine persönliche Note zu verleihen, die den ein oder anderen High Potential kurz innehalten lässt, stelle ich zu den langweiligen Firmenlogotassen im Küchenschrank meine Lieblingskaffeetasse, von der ich mich nur schweren Herzens trenne. Darauf blicken zwei Pudel dümmlich drein und darunter steht “Find a real job”.

Wow, das war ja schon fast Aktionskunst! Das wird die Frankfurter Tech Start Up Welt stark beschäftigen!

Animiert von der Idee, mit meinen Hinterlassenschaften mehr als bloße Irritation zu bewirken, lasse ich als vorerst letzte Maßnahme das Buch “Play it away” auf einer Parkbank zurück. Darin beschreibt der Manager Charlie Hoehn, wie er sich dank der Wiederentdeckung des Spielens selbst von seinem depressiven Workaholic-Lifestyle geheilt hat. 

Seit letzten Donnerstag sitze ich nun auf der Bank gegenüber und beobachte verstohlen, wann endlich eine geburnoutete Person zum herrenlosen Buch greift und darin die Lösung sämtlicher Probleme entdeckt. Auf Dauer ist das anstrengend und nahrhafte Konserven in Ministerien vielleicht doch der bessere Ansatz für nachhaltigen Impact.

DO:

  • ungenutzten Hausrat heimlich bei Verwandten unterbringen

DON’T:   

  • sich dabei erwischen lassen
Information icon

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.