
Zwischenbilanz: Highlights und Reinfälle
Im April ging es los, seitdem erlebe ich jede Woche zwei Mikro-Abenteuer und schreibe darüber. Wer wissen will, was es mit meinem Pakt mit mir selbst auf sich hat, kann es hier noch einmal nachlesen.
Ganz unabhängig vom Unterhaltungswert und Spaßfaktor der einzelnen Aktivitäten kann ich nach 40 durchgeführten alltagstauglichen Abenteuern ganz klar sagen: Dieses Projekt bereichert mein Leben ungemein.
Nicht selten kommt es vor, dass ich eine gewisse Anfangshürde überwinden muss, bevor ich zu einem Abenteuer aufbreche. Ich könnte stattdessen auf dem Sofa herumgammeln, Kuchen essen oder mir Dopaminschübe durch hunderte lustige Instagram-Videos abholen.
Warum stattdessen Mikro-Abenteuer? Mir fällt dazu ein Zitat von Roger Willemsen ein: “Da wir das Leben nicht verlängern können, müssen wir es verdichten.” Egal wie klein oder unsinnig meine Mini-Aktionen auch sein mögen, mein Leben fühlt sich dadurch dichter an und es gab noch keine einzige Aktion, die ich vollends bereut habe.
Generell bedauert man im Leben sowieso eher die Dinge, die man aus Trägheit oder Angst nicht umgesetzt hat, sagt die Forschung. Mikro-Abenteuer in den Alltag integrieren ist für mich eine geeignete Methode, um das tatkräftige Umsetzen im Kleinen zu üben, statt wie so oft auf den richtigen Moment zu warten, der niemals kommt.
Ein wunderbarer Nebeneffekt meines Projekts: Ich habe angefangen, andere Menschen einzubinden und durchbreche damit die sogenannte “Catch-Up-Culture”, die sich überall breit gemacht hat. Statt sich zum Kaffee oder Bier zu treffen, um sich gegenseitig vom eigenen Leben zu erzählen und dann wieder heim zu gehen, sorgt mein Mikro-Abenteuer-Projekt für gemeinsame Erlebnisse. Bier trinken und Reden kann man auch bei einem Farbspaziergang oder beim Würfeln in der U-Bahn.
Hier kommen nun meine bisherigen TOP 3 Mikro-Abenteuer:
- Ein Pokerturnier mitspielen: Dank des Profi-Coachings durch meinen Bruder habe ich im Casino Berlin ein Pokerturnier mitgespielt, was wirklich sehr aufregend war. Ich bin kläglich gescheitert, aber darum ging es auch gar nicht. Noch immer bin ich stolz, dass ich mich ohne Poker-Skills an einen Tisch gesetzt und einfach mitgespielt habe. Erkenntnis: Es interessiert absolut niemanden, wie gut man pokern kann. Im Gegenteil: Bei Poker-Profis ist man als unfähige Mikro-Abenteurerin ein gern gesehener Gast.
- Eine Gerichtsverhandlung besuchen: Dieses Erlebnis hat mich noch lange beschäftigt. Anders als bei den anderen Abenteuern ging es weniger um Spaß, vielmehr ums Eintauchen in eine Welt, die für andere Alltag ist. Die Umsetzung war einfacher als gedacht: Man kann quasi jeden Tag einfach ins Gericht gehen und zuhören. Damit der Rechtsstaat nicht bloße Theorie bleibt, einfach mal machen.
- LARP ausprobieren: Hierfür bin ich mit zwei weiteren Life-Action-Roleplay-Abenteurern extra nach Köln gefahren und habe es nicht bereut. Einige Nerd-Vorurteile wurden abgebaut und eigene nerdige Veranlagungen freigelegt. Ihr trefft mich nächstes Jahr auf dem Drachenfest, Freunde!
Und was ist mit den Reinfällen?!
In meine Montagsmail schaffen es jeweils nur die Mikro-Abenteuer, die ich auch tatsächlich umgesetzt habe. Was nicht auftaucht, sind die vergeblichen Abenteuer-Versuche, die abgebrochen wurden. Und davon gibt es einige…
Beispielsweise bin ich eines Abends losgezogen, um eine Freundin in der Kneipe zu treffen und habe mir vorgenommen, dort mindestens drei mir unbekannte Menschen dazu zu bringen, meine Montagsmail zu abonnieren. Dies gelang nicht und wurde aufgrund fehlender Pick-Up-Line auch nicht mal versucht…
Ich habe mich trotz vorhandener Gelegenheiten noch immer nicht auf eine Comedy Open Stage gestellt und sieben Minuten durchgehalten, die Anmeldung zum Tauchkurs im Badesee steht auch noch aus und bei der “Naked Karaoke” in Berlin war ich dann leider doch kurz vor Start zu müde…
Von den umgesetzten Aktionen gibt es allerdings auch ein paar, bei denen das Text schreiben darüber deutlich spaßiger war als das Erlebnis selbst.
Meine bisherigen top drei FLOPS:
- Einen Abend lang gar nichts tun: Ganz überraschend war dieses Mikro-Abenteuer wahnsinnig langweilig.
- Stereotyp deutsch sein: Die eigene kulturelle Prägung für einen Tag lang übertreiben war anstrengender und nerviger als gedacht. Stereotyp deutsch durchs Leben gehen kann ich nicht empfehlen.
- Beauty Tutorials umsetzen: Hierzu muss ich eigentlich nichts sagen. Das Beweisfoto ist ausreichend.
